Die Schule auf sicherem Kurs fahren – Eltern an Bord!

Eine ehemalige Gesamtschullehrerin könnte sich Unterstützung durch Eltern im Rückblick gut vorstellen, z.B. bei der Renovierung des Klassenraums oder als Vorbild zur Berufsorientierung. Vom Fachwissen und Können der Eltern würden alle profitieren und der gemeinsame Einsatz den Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis vertiefen.

Bis zu meinem Eintritt in den Ruhestand  vor einem Jahr war ich an einer integrierten Gesamtschule als Lehrerin tätig. Es gab viele Situationen, in denen ich mir die aktive Unterstützung meiner Arbeit durch Eltern gewünscht hätte. Es war jedoch sehr schwierig, Eltern meiner eigenen Klasse (und letztlich hat man zu denen in erster Linie den Kontakt) dafür zu gewinnen. In einem größeren Rahmen Eltern zum Beispiel der gesamten Schulgemeinde  ansprechen zu können, hätte möglicherweise bessere Erfolgsaussichten gehabt. 

Ich denke da zurück an eine Renovierung des Klassenraums, die ich mit meiner damals achten Klasse vorgenommen habe. Sie kostete uns einige Nachmittage, da ich mit den Schüler*innen außerhalb der Unterrichtszeit alles alleine erledigen musste. Wände zum Anstrich vorbereiten, den Boden des Raums abkleben, das Besorgen der Farbe, das Beaufsichtigen der Schüler*innen, die gerade nicht aktiv mitarbeiten konnten, Catering für die Arbeitspausen. Hier wäre in vielfältiges Betätigungsfeld für  interessierte Eltern gewesen und es hätte die Arbeit enorm erleichtert. 

Ein weiteres Beispiel für die bereichernde Elternbeteiligung ist der Unterricht  an außerschulischen Lernorten. Damit meine ich nicht nur die Besuche von Museen, des Zoos oder von Freizeiteinrichtungen, wo Eltern als Begleitkräfte die Lehrkraft bei der Aufsicht unterstützen können. Vielmehr können Eltern zum Beispiel Einblick in ihren Berufsalltag geben. Besuche der Klasse in einem Betrieb oder einer Einrichtung lassen sich  organisieren, wo Eltern den Schüler*innen ihren Beruf vorstellen, die fachlichen Voraussetzungen und  Arbeitsabläufe zeigen, wie es der theoretische Unterricht gar nicht leisten kann. Im Rahmen der Berufsorientierung hatten wir an unserer Schule viel Erfolg mit einem Projekt, bei dem Eltern in die Klassen kamen und ihre Berufe vorstellten. Das Interesse der Schüler*innen war groß, die interessierten Fragen an die Gäste nahmen kein Ende. Die Arbeitswelt „vor Ort“ kennen zu lernen, hätte das Ganze sicher noch anschaulicher gemacht.

Ein letztes Beispiel fällt mir ein, wo ich mir – gerade in der momentanen Situation – eine Unterstützung durch Eltern sehr gut vorstellen kann. Die Schulen werden zunehmend auf digitale Medien  setzen, wenn durch coronabedingte Unterrichtsausfälle die Schüler zu Hause ihre Aufgaben erledigen müssen. Nicht alle Kinder haben im Elternhaus die Unterstützung, wenn sie Hilfe brauchen. Wie schön wäre es, wenn sich fachlich versierte Eltern anböten, hier Hilfestellung zu leisten und zum Beispiel zum eigenen Kind zwei, drei weitere hinzuzunehmen und bei Problemen zu helfen.

Mein Fazit: Die Einbindung der Eltern in Schule erachte ich als sehr wichtig. Ich denke, für Kinder/Jugendliche in der Schule ist es motivierend, wenn sie sehen, dass ihre Arbeit durch die Eltern wertgeschätzt wird, was  diese  durch die aktive Teilnahme am Schulgeschehen zeigen.  Die Einbindung des Eltern-Know-hows macht Schule bunter, ihre Beteiligung an Projekten stärkt die Identifikation aller Beteiligten mit der Bildungseinrichtung und das Wir-Gefühl,  und es erfüllt nicht zuletzt die Kinder mit Stolz, wenn sie zeigen können, dass ihre Eltern den Lehrern helfen.